Zum Hauptinhalt springen
Veranstal­tungen

Ankündigung/Nachlese von Veranstaltungen an denen wir beteiligt sind

Aufsätze/ Vorträge

aus dem Grenzbereich von Naturwissenschaft und Glauben

Teilhard de Chardin

geb. 1. Mai 1881
gest. 10. April 1955

URKNALL UND GLAUBE – wie die Welt und unser Leben geschaffen wurden

spektrale Dynamik (blau auf uns zu, rot von uns weg

Vortragabend am: Montag, 10.10.2022 – 19:30 – 21:00 Uhr
Veranstaltungsort: Ludwigshafen, Heinrich Pesch Haus – Katholische Akademie Rhein-Neckar

Mit „Hubble“ und dem gerade im Weltraum installierten Nachfolge-Teleskop (James-Webb) geht der Blick der Forscher näher an den Ursprung unserer Zeit als je. Doch warum konnte sich der Kosmos vom Urknall bis hin zu uns so unglaublich entwickeln?

Das wissenschaftliche Weltbild findet mit dieser Frage einen Anknüpfungspunkt an den Schöpfungsglauben und möchte aus dem Staunen auch zur Suche nach Antworten motivieren.
Der Abend untersucht verschiedene Ansätze, wie der Urknall aus dem Glauben zu deuten ist.

Referent: Dr. Gerd Weckwerth, Physiker, Institut für Geologie und Mineralogie der Universität Köln und
Rheinisches Institut für Umweltforschung, ND-Arbeitskreis „Naturwissenschaft und Glaube“
Moderation: Dr. Matthias Rugel SJ

Kostenbeitrag frei. Spende erbeten..

Sexuelle Identitäten und Menschenwürde

Die 38. Tagung des AK Naturwissenschaft und Glaube hat ein Thema des Synodalen Weges aufgegriffen (26.-28. Aug. 2022)

von Kurt Schanné und Gerd Weckwerth 

Sexualität ist in der Evolution des Lebendigen ein vergleichsweises junges Phänomen, das vor etwa 600 Millionen Jahren als spezielle Art der Fortpflanzung auf der Erde erstmals auftrat. Es bezeichnet im engeren biologischen Sinne, dass erst zwei verschiedene Fortpflanzungstypen (Geschlechter) von Lebewesen einer Art zur Fortpflanzung fähig sind, wobei jeweils 50% der Erbinformationen dieser Eltern übernommen und weitgehend zufällig in den Nachkommen neu kombiniert werden. Sie gilt als wichtigster Beschleuniger der biologischen Evolution mittels Mutation und Selektion, weil damit Umwelt-Anpassung und Ausdifferenzierung der Arten effektiver gelingen.  

Wie die Geschlechter der Arten zueinander finden und miteinander umgehen, wird als Sexualverhalten bezeichnet und hat bei Wirbeltieren Funktionen im Sozialgefüge der Population hinzugewonnen. Da diese nichts mehr mit dem Genomaustausch zu tun haben müssen, ist es nicht nötig, dass die dabei handelnden Partner unterschiedlichen Geschlechts sind. Dass es beim Menschen – und nicht nur bei ihm – neben der heterosexuellen Präferenz eine Vielzahl weiterer, nicht veränderbarer Neigungen gibt, gilt heute als erwiesen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen vor allem Homosexualität, Pädophilie und Hebephilie (Liebe zu frühpubertären Jungen oder Mädchen).

Im weiteren Sinn bezeichnet Sexualität die Gesamtheit der Lebensäußerungen, Empfindungen und Interaktionen von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht. Neben der sexuellen Präferenz, die sich im Jugendalter herausbildet, ist die sog. Geschlechts- oder „Gender“-Identität ein zentraler Einflussfaktor. Diese tritt schon im Kindesalter hervor und drückt aus, als was jemand sich selbst empfindet, als Mann, als Frau oder als ein „Drittes“. Damit tut sich das weite Feld der Trans- und Intersexualität auf.

Prof. Dr. Dr. Klaus Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Charité in Berlin, führte uns in Kloster Salmünster in diese komplexen Zusammenhänge ein. Dabei betonte er, dass bei jeder Variante der Sexualität das Bedürfnis nach Zuneigung und Anerkennung eine ganz wichtige Rolle spielt. Es geht also beim „Sex“, in welcher „Spielart“ auch immer, gar nicht in erster Linie um „sexuelle Handlungen“, sondern stets um ein Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Komponenten. Es ist ein Grundbedürfnis jeden Menschen, in Differenz, aber auch Einklang mit seiner Um- und Mitwelt zu leben. Solange die eigene Sexualität in diesen Kontext integrierbar ist, ist der Mensch zufrieden und erfährt sein Leben als gelungen.

Dies gilt nach Beiers Darstellung in gleicher Weise für homosexuelle Partnerschaften, die als „Normvariante“ unbedingt zu respektieren sind. Wenn sich jedoch sexuelle Neigungen zeigen, die auf der Verhaltensebene nicht oder nur „insgeheim“ ausgelebt werden dürfen, oder wenn die eigene biologische Identität nicht mit der „Geschlechtsidentität“ übereinstimmt, treten massive Dissonanzen und Konflikte auf, die in vielen Fällen schweres seelisches Leid auslösen. Meist erst dann werden diese „Fälle“ zum Gegenstand medizinischer Diagnose und Behandlung. Prof. Beier stellte das heute bundesweit aktive Netzwerk „Kein Täter werden“ vor, das unter seiner Leitung 2005 an der Charité in Berlin entstand und sich an Menschen mit pädophilen Neigungen bereits im Vorfeld wendet, solange sie noch nicht straffällig geworden sind.

Wie kann die Theologische Ethik all diese vielfältigen Aspekte aufnehmen und in ein ganzheitliches Konzept von Sexualität integrieren? Diese Frage griff Herr Prof. Dr. Thomas Weißer (Laubach) auf. Er lehrt in diesem Fachgebiet an der Universität Bamberg. Zunächst skizzierte er das „klassische“ Modell katholischer Sexualethik mit seinem stark normativen und „dichotomischen“ Ansatz. Demnach ist jede sexuelle Handlung danach zu beurteilen, ob sie alle mit der Sexualität verbundenen „Güter“ bzw. Wertdimensionen realisiert oder nicht. Im einen Fall ist sie erlaubt, im anderen nicht. In der Konsequenz führt dies dazu, dass jede sexuelle Handlung, auf jeden Fall jeglicher „Geschlechtsakt“ außerhalb der Ehe unzulässig ist. Damit stehen alle vor- und außereheliche sexuellen Praktiken ebenso unter moralischem Generalverdacht wie die Masturbation und die „vollzogene“ homosexuelle Partnerschaft. Diese traditionelle Lehre wurde vom Vatikanum II zwar personalistisch reinterpretiert und auch vertieft, aber in der Substanz nicht wirklich aufgegeben, ebenso wenig von den nachfolgenden Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Am ehesten kann man noch in „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus ein vorsichtiges Abrücken von dem bisherigen Denk- und Beurteilungsschema erkennen.

Weißer plädierte dagegen – auch auf der Linie des Synodalen Wegs – für einen prinzipien-orientierten Zugang. Demnach ist sexuelle Praxis grundsätzlich wie jede andere Praxis danach zu beurteilen, ob sie grundlegende Werte wie z.B. Freiheit, Würde und Selbstbestimmung, Partnerschaft, Respekt, Verantwortung,  Verbindlichkeit und „Generativität“ realisiert. Eine solche Sichtweise rückt ab von einer „aktbezogenen“ Beurteilung und fokussiert auf die Qualität einer Beziehung, in der Sexualität gelebt wird. In dieser Perspektive entfallen die meisten der „klassischen“ moraltheologischen Kategorisierungen, weil nicht mehr „fallbezogen“ gedacht wird, sondern vom konkreten Menschen her, der sein Leben lang auf der Suche nach gelingender ganzheitlicher Beziehung ist, die sich unter den Bedingungen unserer Begrenztheit immer nur graduell realisieren lassen, gleichwohl aber stets unter dem Segen Gottes steht. Die katholische Kirche ist hier in einen tiefgreifenden Lernprozess eingetreten. Alte Texte müssen neu interpretiert und überkommene Lehren  revidiert werden. An dem empirischen Wissen über die natur- und humanwissenschaftlichen Zusammenhänge kommt auf die Dauer niemand vorbei. Der Arbeitskreis wünscht dem Synodalen Weg an dieser Stelle durchgreifenden Erfolg und nachhaltige Wirkung, weit über Deutschland hinaus.

38. Tagung des AK-Naturwissenschaft und Glaube

vom 26.8.-28.8. 2022 im Bildungshaus „Kloster Salmünster

Vor allem aus der Biogenetik, der Medizin und der Psychologie ergaben sich in den letzten Jahrzehnten neue Erkenntnisse zur menschlichen Sexualität. Aus ihnen lässt sich eine natürliche Vielfalt sexueller Identitäten ableiten und zum Teil genetisch belegen.

In der mutigen Aktion „Out in church“ hatten sich Anfang des Jahres 125 Angestellte kath. Institutionen in einer TV-Dokumentation der ARD geoutet, in einer kirchlich bis-her nicht geduldeten Art von Beziehung zu leben. Sie seien nicht mehr länger bereit, dieses aus Sorge um ihren Arbeitsplatz zu verheimlichen. Da viele Diözesan-Verantwortliche sofort versicherten, keine Entlassungen vornehmen zu wollen, benötigt die Kirche dafür so bald wie möglich neue und verlässliche Umgangsregeln.

Welche sexualwissenschaftlichen Erkenntnisse könnten die Basis dafür bilden? Wie lassen sich der Ursprung und die Vielfalt sexueller Identitäten besser erklären und bewerten? Wo ist der Umgang mit Homo- und Transsexuellen als diskriminierend anzusehen? Auch Fragen zu Störungen sexueller Identitäten, deren Gefahren und Therapien, müssen neu gestellt werden.

Unsere Referenten

Prof. Dr.Dr. Klaus Beier ist Leiter des sexualwissenschaftlichen Instituts der Berliner Charitè und hat zuletzt mit dem Hilfsprojekt für pädophil veranlagte Menschen „kein-Täter-werden“ für viel Aufsehen gesorgt.

Prof. Dr. Thomas Weißer (geb. Laubach) ist Lehrstuhlinhaber für theologische Ethik der Universität Bamberg und hat sich auf Gender- und bioethische Fragestellungen spezialisiert. – Vielen dürfte er aber auch als Textschreiber beliebter Kirchenlieder der Gruppe Ruhama bekannt sein wie z.B.: „Da berühren sich Himmel und Erde…“

Das Programm, die Anmeldung und Tagungspreise, sowie die Anfahrtshinweise kann man dem verlinkten vollständigen Tagungsflyer entnehmen.

Programm
Freitag, 26. 8. 2022
18 Uhr Eintreffen und Abendessen
20 Uhr Filmische Einführung ins Thema
Samstag, 27. 8. 2022
9 Uhr: Prof. Dr.Dr. Klaus Beier: Die Sexualität des Menschen – Humanwissenschaftliche Erkenntnisse und sexualmedizinischer Befund
11 Uhr Arbeitsgruppen (oder 17 Uhr)
12:30 : Mittagessen
15 Uhr Prof.Dr.Thomas Weißer (Laubach): “Sexuelle Identitäten und Menschenwürde” aus Sicht der theologischen Ethik
17 Uhr Podiumsdiskussion
18:30 Abendessen
20 Uhr Spiele und Musik
Sonntag, 28. 8. 2022
9 Uhr Erhöht mehr Wissenschaftlichkeit Glaubwürdigkeit und Vertrauen?
10 Uhr Tagungsreflexion und zukünftige Planungen des Arbeitskreises
11 Uhr Gottesdienst mit Pfr.B. Weckwerth “Rücksicht und Zärtlichkeit”
Die Tagungspreise
ND-Mitglieder 115 € Gäste 140 € Junge Erwachsene ab 16 Jahre 50 € Kinder ab 4 Jahre 10 € Tagesgäste Sa. inkl. Mahlzeiten 35 € Einzelzimmer-Zuschlag 10 €
Die Anmeldung
bis 14. Juli 2022 online: www.nd-netz.de (oder über die ND-Geschäftsstelle Tel.: 0221 17736340)


Schöpfungswanderung 2022 (geplant)

Die Kölner Schöpfungswanderung war 2020 wegen der Corona-Pandemie ausgefallen und wurde im letzten Jahr auf den 3. Oktober verlegt. Wie es zur Zeit aussieht, sollte sie in diesem Jahr wieder am 1. Mai stattfinden können. Da der 1. Mai diesmal auf einen Sonntag fällt, wird um 11 Uhr zunächst die Teilnahme am Gottesdienst in der Erlöserkirche in Rath-Heumar angeboten. Auswärtige Teilnehmer können wie schon oft um 10:30 Uhr an der Endhaltestelle Linie 9 ankommen und den kurzen Weg zur Erlöserkirche gehen. Möglich ist aber auch ab 12 Uhr an der Erlöserkirche auf den Beginn der Wanderung von dort zu warten. Das vorläufig geplante Programm lässt sich dem folgenden Dokument entnehmen:

Forum Wissenschaftstadt Bonn

Eine jeweils im Wintersemester stattfindende Vortragsreihe des katholischen Bildungswerks Bonn, zu dem der Verein im Jahr 2000 die Anregung gegeben hatte und zu der er seitdem im Namen der ND-Region Bonn als Mitveranstalter auftritt. Die ~90 minütigen Abendvorträge mit Diskussion fanden in den letzten 10 Jahren im Hauptgebäude der Universität Hörsall VII (bzw. 2020+2021 wegen Corona online) statt.