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Schöpfungswanderung 2021 auf den Herbst verschoben

Die traditionell am 1. Mai jährlich im Umfeld des Königforsts durchgeführte Schöpfungswanderung wird wegen der Corona-Pandemie erstmals an einem Sonntag im September stattfinden. Das teilt Gerd Weckwerth vom Verein „Naturwissenschaft und Glaube“ und für den Mitveranstalter, der Gesellschaft Teilhard de Chardin mit. Wie es aussieht, werden dann auch die meisten potentiellen Teilnehmer geimpft sein, so dass eine halbwegs normale Durchführung wieder möglich sein wird. Die genaue Terminierung wird rechtzeitig davor bekannt gemacht.

Pandemie

Die Übertragungswege von Corona-Viren

Wie jeder zur Verringerung von Infektionen, Toten und Einschränkungen beitragen kann

Erstmals sollen jetzt Landkreise, die im 7°Tage-Neuinfektionswert wieder unter 50 pro 100000 Einwohner fallen, die Möglichkeit erhalten, begrenzte Lockerungen der aktuell beschlossenen Kontaktsperren durchführen zu können. Das heißt jede Person, die sich nicht mit dem hochansteckenden Corona-Virus (Sars-CoV-2) infiziert, wirkt daran mit, dass in ihrer Region nicht nur die Corona-Todeszahlen und Krankenhausaufenthalte, sondern auch die Einschränkungen des täglichen Lebens wieder schneller zurückgeführt werden können.

Genauso wichtig wie Vermeidung unnötiger Kontakte ist dafür, dass bei allen dennoch stattfindenden Kontakten das Risiko von Ansteckung und Weitergabe von Infektionen so klein wie möglich gehalten wird. Die dazu nötigen Verhaltensmaßnahmen sind im Alltag zwar lästig, greifen im Vergleich zu den Kontaktverboten aber deutlich weniger in die Freiheitsrechte von Menschen und in die Erwerbsmöglichkeiten vieler Wirtschaftszweige ein. Wenn wir diese soweit wie möglich erhalten wollen, verlangt das von uns allen eine gesteigerte Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme – eventuell sogar ein spezifisches Training, um verbleibende Kontakte so Corona-gerecht wie möglich zu gestalten.

Auf dem Weg zu einem persönlich optimalen Verhalten können die immer wieder angeführten AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene und Alltagsmasken) nur als erste Leitlinie dienen. Es lohnt sich zusätzlich, die Übertragungswege genauer zu kennen, um sie im täglichen Umgang mit anderen Menschen so effektiv wie möglich zu unterbinden. Bei den Übertragungswegen lassen sich 3 Problemkreise unterscheiden, die man weitgehend unabhängig voneinander bewerten und bekämpfen kann. Die gute Nachricht ist dabei, dass nach neuesten Erkenntnissen erst die Aufnahme von etwa 500 Viren in den Nasen und Rachenraum im Durchschnitt zu einer Ansteckung führt (Bergthaler, CeMM Wien, 2020). Diese Zahl kommt in den 3 Problemkreisen auf unterschiedliche Art und Weise und in einem anderen Zeitrahmen (Sekunden, Minuten, Stunden) zustande.

  1. Ansteckung über Tröpfchen (Sekundenbereich, >5 µm)

Das ist der auch für andere Erkältungsviren bekannteste und häufigste Übertragungsweg. Dabei handelt es sich in der Regel um Speichel- oder Sekret-Tröpfchen ab einer Größe von 5 µm, die Menschen beim Sprechen oder Niesen von sich geben und zumeist innerhalb weniger Sekunden zu Boden sinken. Zahl und Geschwindigkeit dieser Tröpfchen hängt von der Lautstärke sowie von der Art und Weise des Sprechens ab.

Bei lautem Singen oder gezieltem Rufen können Tröpfchen bis zu 4, im Extremfall bis 8 Meter (m) erreichen. Da bei normalem Sprechen Tröpfchen kaum weiter als 1 m weit fliegen, reichen Sicherheitsabstände von 1.5 – 2 m, wenn sie konsequent eingehalten werden. Man kann diesen Sicherheitsabstand zwar kurzfristig unterschreiten, darf dann aber solange einfach nicht sprechen oder husten! Das wird leider am häufigsten missachtet.

Das gefährliche an den Tröpfchen ist, dass schon ein einziges Wort eines infektiösen Menschen zur falsche Zeit ungeschützt ausgesprochen in einer Sekunde zur Übertragung tausender Viren auf zu nah stehende Personen führen kann. Trägt der Infektiöse eine einfache Alltags-Maske, werden Tröpfchen durch diese stark abgebremst und nur ein kleiner Teil kann an den Rändern kaum weiter als 20 cm entweichen.

Das heißt, wenn man glaubt, dass ein Gegenüber dich wegen Abstand und Maske nicht versteht, dann darf man auf keinen Fall diese Maske kurz hochnehmen, was man leider oft sieht. Genau umgekehrt muss die Devise sein. Kommt man auch nur kurzzeitig Menschen zu nahe, dann muss man um zu Sprechen eine Maske aufzusetzen. Erst wenn diese sicher sitzt und gar eine FFP2-Maske ist, dann kann man zur besseren Verständigung den Abstand kurzzeitig unterschreiten (minimal 30-50cm). Da der Flug von größeren Tröpfchen bei normalen Bedingungen nur wenig von Wind beeinflusst wird, bleibt Abstandhalten und Maskentragen aber auch außerhalb von Gebäuden wichtig. Vor allem bevor man lauter reden oder gar rufen will, ist stets darauf zu achten, dass man weit genug von anderen Menschen entfernt ist. Diese Abstandskontrolle muss eventuell sogar trainiert werden.

Vor allem bei Mitarbeitern im Verkauf gibt es im Kontakt zu Kunden oft Gelegenheit, dass diese Regel missachtet wird. Der Hinweis der Mitarbeiter, dass das bei einem 8-Stunden-Tag lästig oder gar eine zu große Belastung sei, ist bei allem Verständnis für deren Situation nicht akzeptabel und muss eher als Argument dafür gewertet werden, dass der Hygieneplan des Geschäfts unzureichend ist und es notfalls sogar geschlossen werden muss.

2. Ansteckung durch verdichtete Aerosolwolken (Minutenbereich, <5µm)

In geschlossenen Räumen oder bei völliger Windstille außerhalb kommen weitere Übertragungswege hinzu. Intensives längeres Unterhalten auch bei geringer Lautstärke und Alltagsmaske führt zum Aufbau von Aerosolwolken. Das sind unsichtbare Mikrotröpfen, die nicht unmittelbar zu Boden fallen, sondern nur eine Sinkgeschwindigkeit von weniger als 1 cm pro Sekunde haben. Bis solche Aerosolwolken ohne Mithilfe von Wind sich auflösen oder weit genug absinken, kann notfalls über eine Minute vergehen.

In dieser Zeit können sich neue Menschen gerade an den Stellen befinden, wo vorher ein infektiöser Mensch sich längere Zeit unterhalten hat. Das könnte z.B. an Kassen sein oder an stark genutzten Verkaufsstellen bzw. in anstehenden Schlangen, in denen man sich unterhält. Da solche Wolken unsichtbar sind und gerade bei geringer Bewegung vom Menschen und Luft am längsten bestehen bleiben, wird dieses Risiko häufig unterschätzt.

Zusätzlich zum Abstandhalten gilt es an solchen Orten möglichst wenig zu reden, auch nicht mit dem Handy, da auch das Aerosolwolken erzeugt. Abhilfe kann schon eine leichte Luftbewegung aufgrund eines offenen Fensters oder Fächerns, notfalls mit der Hand, verschaffen. Eine Alltagsmaske schützt dagegen nur wenig, da man an der Maske vorbei, oft sogar intensiver als ohne Maske atmet. FFP2-Masken schützen hier deutlich besser, da diese Aerosole zu hohem Prozentsatz in solchen Masken hängen bleiben.

Auch wenn Aerosole aufgrund ihrer Größen nur wenige Viren enthalten, kann aufgrund der verdichteten Menge eine für Infektionen ausreichend hohe Anzahl (über 500) eingeatmet werden. Da es dazu meist viele Atemzüge bedarf, macht es Sinn an solchen Stellen nicht zu lange zu verweilen bzw. auch Gespräche nicht zu lange an einer Stelle zu führen; z.B. einen Kassenbereich schnell wieder zu verlassen.

3. Ansteckung in Räumen mit aerosolbelasteten Luftmengen (Stundenbereich, < 1µm)

Aerosole unter 1 µm bleiben teilweise über Stunden in der Luft und nehmen so wie das CO2 in einem geschlossenen Raum mit Menschen laufend zu, was bei einer hohen Personendichte den typischen Eindruck verbrauchter Luft verursacht. Wenn sich in diesem Raum eine oder gar mehrere infektiöse Personen befinden, liefern sie einen zunehmenden Beitrag zu den Aerosolen in dieser Luft. Auch wenn diese Aerosole meist unter 1 µm groß sind und nur wenige Viren enthalten können, wächst beim Einatmen dieser Luft über einen entsprechenden Zeitraum die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken.

Einer aktuellen Studie zufolge (Manouk Abkarian et al. 2020, Universität Montpellier) mit einer hochinfektiösen Person in einem Raum von 50m³ zeigte, dass allein durch Atmen der Raum nach einer Stunde mit mehreren Tausend Viren pro m³ belastet war. Nach intensivem Husten erhöhte sich der Wert auf mehrere Millionen Viren pro m³. Da bei jedem Menschen bis zu 1 m³ Luft pro Stunde durch Rachen, Mund und Naseschleimhaut strömen, und dabei rund 10% der Aerosole im Körper verbleiben, reicht die bloße Anwesenheit einer hochinfektiösen Person in einem 50m³ Raum (Büro) um sich in dieser Zeit anzustecken. Falls die Person andauernd intensiv hustet oder spricht, würde sich diese Aufenthaltsdauer auf nur wenige Sekunden verkürzen.

Da das im Gegensatz zu den anderen Problemkreisen aber alle Personen z.B. in einer Gaststätte, in einem Klassenraum, einem Zug- oder Flugzeugabteil betrifft, führt das vermehrt zu Hotspots mit größeren Infektionszahlen. Um das zu verhindern, kann man auf Luftaustausch achten, bei dem die mit virenbelastete Aerosole immer wieder herausgefiltert oder durch Lüften aus dem Fenster geleitet werden. Dazu muss jedoch die Luft möglichst vollständig ausgetauscht werden. Das heißt, es muss über mehrere weit geöffnete Fenster oder Türen kurzzeitig eine starke Zugluft entstehen. Wo das nicht geht oder zu inakzeptabler Abkühlung führt, kann man Aerosole mit Luftreinigern effektiv entfernen. Außerdem helfen sie, Heizkosten zu sparen.

Glaubt man Beobachtungen, dass die Aufnahme höherer primärer Virenlasten auch zu schwereren Krankheitsverläufen führen, dann gilt es vor allem dem Kontakt mit möglichen Superspreadern vorzubeugen. Das können nur Menschen sein, die keine Maske tragen und dennoch Husten oder laut Sprechen. Damit sie eine Übertragung hoher Virenlasten verursachen können, muss zusätzlich auch noch der Sicherheitsabstand nicht ausreichen oder man muss sich länger mit ihnen in einem nicht gelüfteten, zu kleinem Raum befunden haben.

Vorbeugen heißt in diesem Fall, auch wenn es uns bei vielen Menschen schwerfällt, davon auszugehen, dass jeder Mensch gerade infektiös sein könnte ohne es auch selbst zu wissen oder noch besser sogar zu erwägen, dass man selbst ein Risiko für andere sein könnte und das geringhalten möchte. Hierzu gehört vor allem, bei kleinstem Verdacht sich angesteckt zu haben, Kontakte zu vermeiden oder gar in Quarantäne zu gehen.

Kaum etwas kann so wichtig sein, dass man sich freiwillig gerne mit Covid19 ansteckt oder andere damit beglückt. Der Schaden einer tödlich verlaufenden Ansteckung lässt sich kaum beziffern. Nimmt man aber allein den Entschädigungsaufwand, den unser Land aufgrund von Abwehrmaßnahmen aufwendet und berechnet den pro Infektion, so liegt der bei über 100000 €. Lohnt es sich nicht dafür einige Zeit lästige Gegenmaßnahmen zu befolgen, damit sich dieser Aufwand nicht noch durch weitere Wellen verdoppelt?

Schöpfung durch Evolution

Tagung der katholischen Akademie Schwerte in Kooperation mit der ND-Region Hellweg
Nachdem viele Veranstaltungen wegen der Covid19-Pandemie abgesagt werden mussten, kann unter dem Titel „Schöpfung durch Evolution – Wie passt unser Glaube zum Weltbild moderner Naturwissenschaften?“ jetzt doch eine Tagung aus dem AK-Bereich stattfinden. Unter entsprechenden Auflagen sind im großen Saal der Akademie bis zu 41 Teilnehmer zugelassen. Die Region Hellweg freut sich, wenn auch Interessenten aus anderen Regionen teilnehmen. Noch sind ausreichend Plätze frei.
Link zur Tagung https://www.akademie-schwerte.de/veranstaltungen/schopfung-durch-evolution-wie-passt-unser-glaube-zum-weltbild-moderner

AK-Newsletter 2020a

Der Arbeitskreis „Naturwissenschaft und Glauben“ musste seine diesjährige Jahrestagung wegen der Covid-19-Pandemie erstmals um ein Jahr verschieben. Zur Überbrückung der tagungsfreien Zeit gibt er in 2-3 monatigen Abstand jetzt einen Newsletter heraus, der an die Mitglieder des Vereins „Naturwissenschaft und Glauben“ automatisch versandt wird. Er enthält neben Infos zu laufenden Aktivitäten von AK und Verein, aktuelle News zu relevanten Themen des Grenzbereichs von „Naturwissenschaft und Glauben“. Dabei wird neben dem verschobenen Thema der Jahrestagung „Entdeckung neuer Welten – Exoplaneten und virtuelle Reisen erweitern unser Weltbild“ – auch die Weiterführung des Themas von 2019 „Anthropozän“ im Fokus stehen. Der Newsletter kann durch eine kurze Email an gerd.weckwerth@uni-koeln.de kostenlos abonniert oder einzeln auf der AK-Seite heruntergeladen werden. Wir freuen uns auch über Hinweise auf für unser Arbeitsfeld interessante Themen und Beiträge.

ABSAGE DER SCHÖPFUNGSWANDERUNG AM 1. MAI 2020
(traditionell ab Endhaltestelle Köln-Königsforst 10:30 Uhr)

Das Kontaktverbot aufgrund des Corona-Virus macht leider eine Durchführung als Gruppe in diesem Jahr unmöglich. Die Idee einer bewussten Wanderung oder eines Spaziergangs in Gottes Schöpfung ist im Alleingang oder als Hausgemeinschaft durchaus erlaubt. Wir möchten Euch dazu ermuntern und würden uns freuen, wenn wir im nächsten Jahr zur gewohnten gemeinsamen Schöpfungswanderung wieder viele am 1. Mai begrüßen können.

Verein Naturwissenschaft und Glaube + Gesellschaft Teilhard de Chardin (NRW)


Forum Wissenschaftsstadt Bonn 2019

Gehirn – Bewusstsein – Person

Funktion des Gehirns Prof. Dr. Christian Steinhäuser, Bonn
Do 17.10.2019 │ 20.00 Uhr s.t., Universität Bonn, Hauptgebäude, Hörsaal VII

Die Funktion des Gedächtnisses PD Dr. Özgür Onur, Köln
Do 07.11.2019 │ 20.00 Uhr s.t., Universität Bonn, Hauptgebäude, Hörsaal VII

Was konstituiert die Person? Prof. Dr. Dieter Sturma, Bonn
Do 14.11.2019 │ 20.00 Uhr s.t., Universität Bonn, Hauptgebäude, Hörsaal VII

Neurodegenerative Erkrankungen (Demenz) Prof. Dr. Anja Schneider, Bonn
Di 19.11.2019 │ 20.00 Uhr s.t., Universität Bonn, Hauptgebäude, Hörsaal VII

AK2019 Anthropozän

Das Anthropozän als Herausforderung für die Menschheit
Bericht von der Jahrestagung des AK Naturwissenschaft und Glaube im hessischen Kloster Salmünster

Noch nie in der Geschichte hatte der Mensch die Erde so im Griff. Überall hinterlässt er seine Spuren. Künftige Generationen werden es in den Sedimenten ablesen können – wenn es dann noch künftige Generationen gibt. Denn die Menschheit ist im Begriff, sich abzuschaffen. Ungebremst laufen derzeit alle ökologischen Trends auf eine Situation zu, die nicht mehr beherrschbar scheint. Verschmutzung, Klimawandel, Artensterben sind die nicht wegdiskutierbaren Anzeichen der drohenden Katastrophe.

Wie kam es dazu, dass das Erdzeitalter, in dem wir seit wenigen Generationen leben, den Name „Anthropozän“ erhielt? Darüber referierte der AK-Leiter Dr. Gerd Weckwerth. Während er am MPI für Chemie in Mainz promovierte, war der Atmosphärenchemiker und spätere Nobelpreisträger, Paul Crutzen, einer der Direktoren. Dieser hat Anfang 2000 als erster darauf hingewiesen, dass das wichtigste Kennzeichen der bisherigen Erdepoche Holozän, die hohe Klimakonstanz, durch den Menschen unübersehbar im 20. Jahrhundert beendet wurde und daher stattdessen vom „Anthropozän“ gesprochen werden sollte.

Weckwerth zeigte, wie man die Anzeichen für neue Erdzeitalter anhand von geochemischen Veränderungen in geeigneten Sedimentgesteinen auffinden kann. Als ein Beispiel nannte er die Kreide-Tertiär (KT)-Grenze, von der er Ende 2018 an neuen Proben aus Berchtesgaden selbst Analysen durchgeführt hat. Diese konnten wie Iridium-Messungen von anderen KT-Aufschlüssen zuvor belegen, dass für die damaligen hohen Aussterberaten (u.a. Dinosaurier) und den folgenden Wechsel zur Erdneuzeit ein bekannter großer Meteoriteneinschlag (vor Mexiko) verantwortlich war.

Er zeigte aber auch Messungen aus See-Sedimenten des 20. Jahrhunderts, an denen er den Anstieg von Schwermetallbelastungen bis 1970 und den anschließenden Rückgang bis 1985 um bis zu zwei Größenordnungen durch Emissionsbeschränkungen der Industrie dokumentieren konnte. Für die dazu nötigen Altersbestimmungen nutzte er dabei u.a. Markierungen mit dem Spaltisotop 137Cs, das durch weltweite Atomwaffenversuche 1963 und den Tschernobyl-GAU 1986 freigesetzt wurde. Der dramatische Rückgang solcher Schwermetallbelastungen ähnlich wie die Abnahme des Ozonlochs aufgrund des weltweiten Verbots von FCKWs (deren schädigende Wirkung u.a. Paul Crutzen erforscht hat) zeigen, dass weltweit Überhand nehmende Risiken durch gezielte Gegenmaßnahmen durchaus gestoppt werden können.

Wie die Natur sich auf längere Sicht auch selbst helfen kann, zeigte der zweite Vortrag von BB Dr. Norbert Luschka, der sich als Biologe mit der Artenvielfalt vor allem von Pilzen beschäftigt hat. Einschneidende Ereignisse, die zu großen Veränderungen von Umweltbedingungen und hohen Aussterberaten geführt haben (Faunenschnitte), konnten von der Natur „weggesteckt“ werden. Im Falle regionaler Ereignisse sind die Arten anschließend umso stärker in das Zerstörungsgebiet wieder eingewandert. Die Arten können sich vor allem bei globalen Umweltveränderungen anpassen.

Das belegt vor allem das erste große Massenaussterben, das schon bei primitiven Einzellern vor 2.5 Milliarden Jahren auftrat. Grund dafür war die hohe toxische Wirkung des freien molekularen Sauerstoffs auf das frühe Leben. Dieser war damals bei der beginnenden oxygenen Photosynthese als Abfallprodukt entstanden. Während sogenannte obligate Anaerobier bis heute saustoffhaltige Umgebungen meiden, haben andere Einzeller die Sauerstoffatmung entwickelt. Sie bildete die Basis der sogenannten Kambrium-Explosion früher Mehrzeller, nachdem der Sauerstoff noch einmal auf bis zu 10% zugenommen hatte.

Nach einer Betrachtung historischer Massenaussterbeereignissen kam Luschka auf den im Mai von der UN vorgelegten ersten Bericht zum globalen Zustand der Artenvielfalt zu sprechen. Darin zeichnet der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) ein dramatisches Bild: Von den geschätzt 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit sei rund eine Million vom Aussterben bedroht. Das Ausmaß des Artensterbens sei in der Geschichte der Menschheit noch nie so groß wie heute gewesen – und die Aussterberate nehme weiter zu. Drei Viertel der Naturräume auf den Kontinenten seien vom Menschen schon erheblich verändert worden, in den Meeren bereits zwei Drittel.

Im Programm der Tagung waren anschließend Arbeitsgruppen vorgesehen, die sich neben der Klärung von Fragen aus den Vorträgen mit den Möglichkeiten befassten, was sich den dramatischen Trends des Anthropozäns entgegensetzen lässt. Dabei ging es vor allem um Maßnahmen im Verhalten des einzelnen Menschen, die zur Umlenkung der Trends beitragen können, aber auch um veränderte politische und rechtliche Rahmenbedingungen. Neben Vermeidung von Plastikmüll standen dabei Änderungen im Mobilitäts- und Konsumverhalten besonders zur Diskussion. Eine Gruppe befasste sich mit der Enzyklika „Laudato Si´““, die Papst Franziskus 2015 vorgelegt hat. Ihre positive Wirkung hob auch der prominente Referent desNachmittags, Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker, besonders hervor. Er begann seinen Vortrag mit vielen in den letzten 70 Jahren weltweit stark ansteigenden, anthropogenen Trends, die u.a. zur Verdrängung und zum dramatischen Rückgang der Wildtiere geführt haben. Betrachtet man das Körpergewicht, so machen diese ähnlich wie in Deutschland nur noch 3% der Lebewesen aus, während der Mensch (30%) und dessen Nutztiere (67%) deutlich überwiegen.

Die Risiken entstehen für Weizsäcker vor allem dadurch, dass wir inzwischen in einer „vollen Welt“ leben, während die Pläne unseres Handelns immer noch aus der Zeit einer nahezu leeren Welt stammen. Dazu gehören vor allem Konzepte aus der Zeit der europäischen Aufklärung wie das der unabhängigen Nationalstaaten und der kolonialen Ausbeutungs- und Raubbau-Ökonomie. Diese wurden noch genährt durch Vorstellungen antiker Kulturen und Religionen vom Wachsen und Mehren oder gar sich die Erde untertan zu machen. In der „vollen Welt“ seien dagegen neue Konzepte nötig, wie Schutzzonen, Fangquoten oder Umgangsverbote, um diese Welt zu erhalten.

Als Antwort auf die schon 1972 vom Club of Rome vorgestellten „Grenzen des Wachstums“ galten zuletzt u.a. die von der UNO im Jahr 2015 vorgelegten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sus-tainable Development Goals). Da 11 dieser Ziele massive Wachstumsimperative beinhalten, müsse man sogar diese Nachhaltigkeitsagenda der UNO als nicht nachhaltig einstufen. Weizsäcker zog daraus den Schluss, dass das Anthropozän bisher der Inbegriff der Nicht-Nachhaltigkeit sei!

Er sei natürlich auch froh über das Klimaabkommen von Paris. Die Politik sehe aber nur, dass das Erreichen der Klimaziele sehr teuer wird und glaube, dies wieder durch noch mehr Wachstum anbahnen zu müssen. Das sei eine falsche Antwort, vor allem für rund eine Milliarde Menschen, die am Meer wohnen, davon ~800 Millionen allein in Asien. „Wenn die durch steigenden Meeresspiegel (wegen des Abschmelzens der Eisschilde Grönlands und der Antarktis) auf einmal zu Flüchtlingen werden, haben wir ein Problem tausendmal größer als im Jahr 2015!“- „In der Diagnose gut, aber in der Therapie komplette Versager!“ so sieht Weizsäcker bisherige Versuche gemeinsamer Gegenmaßnahmen. Er sieht die Weltgemeinschaft daher nicht nur in politischen Problemen, sondern vor allem in einer philosophischen Krise – und im Volk höre man lieber auf Populisten, statt der Wahrheit ins Auge zu schauen.

Hinzu kommt, dass die Dynamik immer stärker in den Entwicklungsländern liegt. Obwohl Bevölkerungszunahme deren Wirtschaftsentwicklung schwächt, sind in diesen Ländern die höchsten Ausbauraten an Kohlekraftwerken zu verzeichnen. Von 1380 neuen Kohlekraftwerken in Planung oder Bau sind über 1200 in Entwicklungsländern. Daher ist Klimapolitik nur mit Industrieländern weitgehend sinnlos. In einer „neuen Aufklärung“ wird Balance zum wichtigen Prinzip, z.B. zwischen Mensch und Natur, Kurzfrist und Langfrist, Staat und Markt, Gerechtigkeit und Leistungsanreiz, Staat und Religion, Innovation und Bewährtem. Weizsäcker hält daher auch einen ausgleichenden „Budget-Ansatz“, bei dem die Industrieländer radikal die kapitalbezogenen CO2-Emissionen kürzen, die Schwellenländer deutlich weniger und die Entwicklungsländer bis etwa 2040 noch leicht steigen dürfen, für die vielleicht einzige machbare Politikoption.

Statt dem heutigen brutalen Wettbewerb um Innovationsgeschwindigkeit bräuchten wir neben Regulierung der Finanzmärkte einen Ausgleich vor allem zwischen Innovation und Bewährtem, sowie zwischen Mensch und Natur, um Nachhaltigkeit zu erreichen. Systemtheoretisch gesehen, fehle es dem heutigen Markt vor allem an negativen Rückkoppelungsmechanismen, mit denen bspw. die Biologie selbstmörderische Ausschläge verhindert. Auf diesem Prinzip basieren daher viele Vorschläge für den internationalen Kapitalmarkt wie z.B. die Kapitaltransaktionssteuer oder Eurobonds zur Vermeidung von Spekulation gegen schwache Euro-Länder. Dazu gehöre auch der Vorschlag, die CO2- und Rohstoffpreise mindestens parallel zu den Effizienzgewinnen zu verteuern.

Der von Weizsäcker für den Club of Rome mitverfasste Bericht „Wir sind dran“ enthält neben diesen Aspekten zu einer neuen Aufklärung und der Weltwirtschaft aber auch viele Vorschläge, die sich kurzfristiger und regionaler durch persönliches Handeln verwirklichen lassen, wie z.B. ein Umsteuern zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft, mehr Energieeffizienz beim Hausbau und einen bescheideneren Lebensstil. Dennoch war es ihm wichtig, am Ende deutlich zu machen, dass Nachhaltigkeit sich nicht im gut gemeinten Appell, fleischlos zu essen oder weniger zu fliegen, erschöpfen darf, sondern nur auf der Systemebene der Politik wirksam umsetzbar ist.